125 Jahre Standort Ludwigshafen
Der Standort Ludwigshafen feiert in diesen Tagen zwei Jubiläen. In der bewegten Historie wurden hier zahlreiche pharmazeutische Innovationen für eine bessere Lebensqualität der Menschen entwickelt.
Am 23. Oktober 1886 gründeten die Brüder Albert und Hans Knoll am heutigen Standort ihr pharmazeutisches Unternehmen Knoll & Co. Grundlage ihres Erfolgs war ein Hustenmedikament auf Morphinbasis. Dr. Albert Knoll war es gelungen, den bis dato teuren Wirkstoff kostengünstiger herzustellen und so das Medikament viel mehr Menschen zugänglich zu machen.
Nach einer bewegten Geschichte wurde Knoll zunächst von der BASF und 2001 von Abbott übernommen. In diesen zehn Jahren wurden insgesamt rund 200 Millionen Euro in neue Technologien investiert. Heute ist Ludwigshafen ein wichtiger Hightech-Standort im Abbott-Netzwerk und spezialisiert auf Pharmaforschung und -produktion. Hier sind die Kompetenzzentren für die Suchforschung bei Erkrankungen des Zentralen Nervensystems wie beispielsweise Alzheimer, für klinische Studien außerhalb der USA und für die Schmelzextrusionstechnologie (MELTREX) angesiedelt.
Innovationen für den Menschen
Diese innovative MELTREX-Technologie hat es beispielsweise ermöglicht, dass unsere Arzneimittel für die HIV-Therapie nicht mehr dauerhaft gekühlt werden müssen. Dadurch haben Millionen von Patienten auf der ganzen Welt einen besseren Zugang zu ihrer Therapie. Auch ein Biologikum wurde in den Ludwigshafener Laboren mitentwickelt. Es wird heute bei sechs verschiedenen Krankheitsbildern von Rheuma über Schuppenflechte bis hin zu Morbus Crohn eingesetzt. Weltweit konnte das Arzneimittel Hunderttausenden chronisch kranken Menschen helfen.
Mit rund 900 Wissenschaftlern ist der Standort Ludwigshafen in der Abbott-Welt der größte Pharma-Forschungsstandort außerhalb der USA. Insgesamt arbeiten hier nahezu 2.000 Menschen daran, Menschen auf der ganzen Welt innovative Lösungen und Arzneimittel zur Verfügung zu stellen. Ganz im Sinne von Albert und Hans Knoll.
125 Jahre Ludwigshafen bedeutet für uns auch, 125 Jahre in der Region verwurzelt zu sein. Abbott ist hier ein wichtiger Arbeitgeber und engagiert sich darüber hinaus mit verschiedenen Projekten in der Stadt und im Umland. Ein gutes Beispiel ist die Initiative „Helfende Hände für Ludwigshafen“, bei der die Mitarbeiter einen Tag in sozialen Einrichtungen der Stadt z.B. handwerklich unterstützen.
Chronik: 125 Jahre Standort Ludwigshafen
Der Chemiker Dr. Albert Knoll gründet gemeinsam mit seinem Bruder Hans und Schwager Max Deege in Ludwigshafen das Unternehmen Knoll & Co. Sie beginnen mit der Herstellung von Codein auf Morphinbasis. Der bis dahin teure Wirkstoff wird damit so günstig, dass er in Hustenmedikamenten eingesetzt werden kann.
Knoll ist stetig gewachsen, hatte ein breit gefächertes Arzneimittelsortiment und gehört zu den sechs größten Pharmaunternehmen in Deutschland.
Der erste Calcium-Antagonist der Welt kommt von Knoll, revolutioniert die Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und gilt als Spitzenleistung deutscher Forschung. Der Wirkstoff Verapamil wird bis heute von den Ärzten bei Bluthochdruck und Herzerkrankungen eingesetzt. Unter den Abbott-Arzneimitteln ist es immer noch das absatzstärkste Produkt in Deutschland, gezählt nach verkauften Packungen.
BASF erwirbt die Aktienmehrheit an der inzwischen umfirmierten Knoll AG. 1982 übernimmt die BASF das Unternehmen ganz und integriert es bis 1993 in seine weltweite Pharmasparte. Der Name Knoll bleibt erhalten.
Einführung der Schmelzextrusionstechnologie, mit deren Hilfe schwerlösliche Wirkstoffe besser aufgenommen werden und an den vorgesehenen Einsatzort im Körper gelangen. 1999 wurde die erste nach dem Verfahren der Schmelzextrusion entwickelte Tablette, Verapamil, in den polnischen Markt eingeführt.
Abbott Laboratories aus Illinois in den USA übernimmt die Pharmasparte der BASF, die Knoll AG.
Ludwigshafen gewinnt als Forschungsstandort weiter an Bedeutung. Abbott weitet den Sterilbereich der Pharmazeutischen Forschung aus. In zwei Jahren werden dafür 21 Millionen Euro investiert, so viel wie nie zuvor in Ludwigshafen. Die Wissenschaftler beschäftigen sich vor allem mit der Entwicklung von Injektionslösungen, Einwegspritzen oder Lyophylisaten aus biotechnologischen Wirkstoffen.
Erstmals wird in Ludwigshafen ein HIV/AIDS-Medikament mit der Schmelzextrusionstechnologie produziert. Heute wird am Standort mit drei Extrudern gearbeitet, eine Investition von insgesamt 40 Mio. US Dollar.
Der Standort Ludwigshafen ist heute ein ausgewiesener Hightech-Standort, spezialisiert auf pharmazeutische Forschung & Entwicklung und Produktion.
Chronik von Mathias Rittgerott









